Ratenzahlung ab November 2026: Was die Verbraucherkreditrichtlinie (CCD2) für deinen Onlinekurs bedeutet
Ich sage es direkt: Wenn du Ratenzahlung anbietest, solltest du diesen Artikel lesen. Und zwar bevor dein nächster Launch startet.
Ab dem 20. November 2026 gelten in der EU neue Regeln für Ratenzahlungen. Dahinter steckt die Verbraucherkreditrichtlinie, kurz CCD2 (Consumer Credit Directive 2). Das klingt nach Behördendeutsch. Es betrifft aber ganz konkret das hochpreisige Programm, das du bisher in 10 bequemen Raten verkauft hast.
Keine Panik. Die meisten Zahlungsmodelle im Online-Business funktionieren weiter. Du musst nur wissen, welche, und was du an den übrigen anpassen kannst.
Wichtig vorweg: Ich bin keine Juristin, und dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung. Er gibt dir einen Überblick, damit du deine Angebote gezielt prüfen kannst. Stand: Oktober 2026.
1. Was ist die CCD2 überhaupt?
Die Verbraucherkreditrichtlinie ersetzt die bisherige EU-Regelung von 2008. Deutschland hat sie in nationales Recht umgesetzt, und die neuen Vorschriften greifen am 20. November 2026. Eine Übergangsfrist gibt es nicht.
Die Logik dahinter ist simpel: Wer die volle Leistung bekommt und erst danach in Raten zahlt, nimmt rechtlich einen Kredit auf. Ob Zinsen anfallen, spielt dabei keine Rolle.
Das Ziel ist Verbraucherschutz. Privatkund:innen sollen bei „Jetzt kaufen, später zahlen” so geschützt sein wie bei einem klassischen Bankkredit. Bisher fielen viele Ratenmodelle durch Ausnahmen aus dem Kreditrecht heraus. Genau diese Lücken schließt die CCD2.
Gut zu wissen
- Auch zinslose Raten können ein Kredit sein.
- Die frühere Ausnahme für Kleinbeträge unter 200 € entfällt.
- Für bereits geschlossene Verträge gilt das alte Recht. Laufende Ratenzahlungen musst du also nicht umstellen.
2. Wen betrifft das?
Die Regeln gelten für Verkäufe an Privatkund:innen (B2C) in der EU. Entscheidend ist, wo deine Kund:innen sitzen, nicht wo du sitzt.
- B2C in der EU: Die Richtlinie greift voll.
- B2B: Hier gilt sie nicht. Du musst den Unternehmerstatus aber nachweisbar prüfen. Ein Häkchen im Checkout reicht nicht. Mit ablefy läuft das zum Beispiel über die Validierung der USt-IdNr.
- Kund:innen außerhalb der EU: nicht betroffen.
3. Wann ist Ratenzahlung ein Kredit und wann nicht?
Die Frage ist immer dieselbe: Kommt die Leistung vor der Zahlung?
Das gilt als Kredit
- Ratenzahlung, bei der deine Kund:innen die Leistung zuerst bekommen und danach zahlen
- „Buy Now, Pay Later” (BNPL), zum Beispiel über Klarna oder PayPal. Hier übernimmt aber der lizenzierte Zahlungspartner die Kreditpflichten, nicht du.
Ein Beispiel: Dein Coaching läuft 8 Wochen, deine Kund:innen zahlen aber 8 Monate lang. Das ist ein Kredit.
Das gilt nicht als Kredit
- Abos, Memberships und laufende Programme mit gleichzeitiger Leistung und Zahlung
- Anzahlungen und Vorauszahlungen, wenn alles bezahlt ist, bevor die Leistung beginnt
- Kauf auf Rechnung mit kurzer Zahlungsfrist
- Ratenzahlung für Unternehmenskund:innen, sofern du den Status sauber verifizierst
4. Die gute Nachricht: Diese Alternativen funktionieren weiter
Du musst nicht auf flexibles Bezahlen verzichten. Du baust dein Angebot nur etwas anders auf.
Laufende Leistung mit laufender Zahlung
Eine Membership, eine Community oder ein Gruppencoaching mit monatlicher Zahlung ist kein Kredit. Die Leistung wird Monat für Monat erbracht, und Monat für Monat wird gezahlt.
Drei Dinge solltest du dabei im Blick behalten:
- Feste Laufzeiten sind bei Privatkund:innen nur bis maximal 24 Monate möglich.
- Danach darf sich der Vertrag nur noch monatlich kündbar verlängern.
- Nach Vertragsende muss der Zugang enden.
Vorauszahlung statt Kredit
Du kannst Raten anbieten, wenn alle Raten vor dem Start bezahlt sind. Dann zahlt deine Kundschaft vorab, und du gibst keinen Kredit.
Bei einem Event im November 2027 können deine Teilnehmer:innen zum Beispiel in Raten zahlen, solange alles bis zum Event bezahlt ist.
Mein Tipp: Wer bis zum Start nicht vollständig gezahlt hat, darf keinen Zugang bekommen. Der Zugang muss sich also sperren lassen. Prüf das in deinem Setup.
Kauf auf Rechnung mit kurzer Frist
Auch eine Einmalzahlung per Rechnung ist kein Kredit, wenn diese Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind:
- Du gewährst die Frist selbst, ohne Finanzierungspartner.
- Die Frist ist kostenlos. Kosten dürfen höchstens bei Verzug anfallen.
- Die Frist ist kurz genug: bis zu 50 Tage, wenn du als KMU im eigenen Namen verkaufst. Bis 14 Tage, wenn du kein KMU bist oder im Reseller-Modell verkaufst.
Buy Now, Pay Later über einen lizenzierten Partner
Anbieter wie Klarna darfst du weiter im Checkout anbieten, zum Beispiel über ablefy. Die Kreditpflichten übernimmt der Zahlungspartner. Mahnwesen und Inkasso laufen ebenfalls dort, und du bekommst den vollen Betrag sofort.
Dem stehen drei Punkte gegenüber:
- Es fallen zusätzliche Transaktionsgebühren an.
- Deine Kund:innen können abgelehnt werden, weil vor dem Kauf eine Bonitätsprüfung stattfindet.
- Bei hochpreisigen Angeboten kann das zu mehr Kaufabbrüchen führen.
Halte deshalb eine Rückfalloption bereit, zum Beispiel eine Vorauszahlungs-Ratenzahlung.
5. Klassische Ratenzahlung in Eigenregie: Warum ich davon abrate
Ja, du kannst weiterhin selbst Raten nach der Leistung anbieten. Dann giltst du aber rechtlich als Kreditgeber, mit Pflichten wie eine Bank:
- Bonitätsprüfung vor jedem Vertrag. Einkommen und Ausgaben prüfen, Scoring durchführen, Entscheidung dokumentieren. Das gilt sogar für einen Kurs für 89 €.
- Vorvertragliche Informationen (SECCI). Deine Kund:innen müssen vor dem Kauf ein standardisiertes Informationsblatt erhalten. Dazu kommt eine Erinnerung an das Widerrufsrecht.
- Registrierung oder Erlaubnis. Wer selbst Kredit vergibt, muss sich bei der BaFin registrieren. Wer BNPL vermittelt, braucht je nach Modell eine Erlaubnis als Darlehensvermittler:in.
- Werbung mit klaren Angaben. Wer mit Raten wirbt, muss Kosten transparent nennen und einen Warnhinweis zeigen.
Ich sage es ehrlich: Das ist für Solo-Unternehmer:innen und kleine Teams kaum zu stemmen. Du willst Menschen begeistern und nicht zur Mini-Bank werden.
Was passiert bei Verstößen?
- Bußgelder bis 500.000 € bei Kreditvergabe ohne Registrierung
- Bußgelder bis 50.000 € bei Verstößen gegen die Gewerbeordnung
- Ein verlängertes Widerrufsrecht von bis zu einem Jahr und 14 Tagen
- Abmahnungen von Mitbewerber:innen und Verbänden
6. Was heißt KMU für dich?
KMU steht für kleine und mittlere Unternehmen: unter 250 Mitarbeitende, dazu entweder unter 50 Mio. € Jahresumsatz oder unter 43 Mio. € Bilanzsumme. Die meisten Coaches und Creator fallen locker darunter.
Das bringt dir Vorteile, wenn du im eigenen Namen verkaufst: bis zu 50 Tage Zahlungsziel auf Rechnung und leichtere Regeln bei Registrierung und Vermittlung. Im Reseller-Modell, also wenn die Plattform als Verkäuferin auftritt, gelten diese Erleichterungen nicht.
7. Deine Checkliste bis zum 20. November
- Angebote durchgehen: Wo kommt die Leistung vor der Zahlung?
- Zielgruppe prüfen: Verkaufst du an Privatkund:innen in der EU?
- Zahlungspläne anpassen: Raten bis zum Kursstart, Membership oder BNPL über einen Partner.
- Zugangssperre testen: Funktioniert sie, wenn Raten fehlen?
- Werbetexte prüfen: Steht irgendwo „Zahl in Raten, wann du willst”? Dann nachbessern.
- Rückfalloption einplanen: Für den Fall, dass BNPL abgelehnt wird.
- Rechtlichen Rat holen, wenn du unsicher bist.
Fazit & Quick-Tipps
Die CCD2 ist kein Weltuntergang, aber ein Weckruf. Nach der Leistung zahlen lassen wird kompliziert, vor oder während der Leistung zahlen lassen bleibt einfach.
Meine Quick-Tipps für dich:
- Plane Ratenzahlungen so, dass alles vor dem Start bezahlt ist.
- Nutze für alles andere lizenzierte Partner statt Eigenbau.
- Setze auf Memberships und laufende Programme, wenn du monatliche Zahlung möchtest.
- Halte immer eine Alternative bereit.
- Lass dich im Zweifel rechtlich beraten.
Ein sauber aufgesetztes Zahlungsmodell ist auch ein Stück Kundenvertrauen. Und das ist am Ende der beste Verkaufshebel.
Was ist dein nächster Schritt?
Du bist unsicher, wie du deine Zahlungspläne in ablefy anpassen kannst, oder möchtest dein Angebot gemeinsam durchgehen? Dann lass uns reden. In einem kostenlosen und unverbindlichen Kennenlerngespräch schauen wir, wie dein Kurs auch nach dem 20. November rund läuft. Buche jetzt dein Kennenlerngespräch.


